Seite wählen

„Alte“ Katze und „neue“ Katze: Zusammenführung auf Augenhöhe

Ich geb’s zu: So eine Zusammenführung von Hund und Katze oder zwei Katzen habe ich bei meinen eigenen Katzen nicht miterlebt. Als ich mit meinem Freund zusammengekommen und somit in meine Katzenfamilie getreten bin, waren die drei schon vertraut miteinander – und sogar an ihren Mops-Gefährten gewöhnt. Was nicht heißt, dass es nicht auch zu Zankereien kam. Ich erinnere mich, wie die Katzen Chop Chop täglich lieb stupsen wollten – und er überhaupt nicht mit der Katzensprache umzugehen wusste. Mit weit aufgerissenen Augen saß er angespannt da, bis er eins auf den Deckel bekommen hat – weil die Katzen seine Reaktion wohl unhöflich fanden…

Was ich aber über Katzen sagen kann, weil ich meine drei Experten kenne: Jede Katze ist individuell. Und doch wollen sie meist nur eins… Aufmerksamkeit (geliebt, gestreichelt, bespaßt, gefüttert und ab und zu in Ruhe gelassen werden). Deshalb wird sich heute einiges um Eifersucht drehen – aber auch um Vertrauen.

On top sitze ich an der Quelle solcher Zusammenführungsstories: meinem Freund. Der ganze dreimal Akteur bei so einer Zusammenführung war.

Und da es dabei um Emotionen und ganz eigene Dickschädel geht, wird das heute keine Pauschalanleitung, mit der jeder Schritt so glatt laufen wird, dass du drauf ausrutschen könntest. Nein. Vielmehr folgt jetzt ein Pfeiler, auf den du dich stützen kannst.

Na dann, los gehts!

p

In meinem Beitrag gehe ich davon aus, dass du deine neue und deine alteingesessene Katze tippi toppi aufeinander abgestimmt hast. Alter, Charakter und Geschlecht passen also zusammen.

Willkommen in der WG

Wohnt schon eine andere Katze bei dir? (Ich bin ich übrigens Fan von doppeltem bis dreifachem Glück.) Dann lass deinem neuen Mitbewohner seine ersten zwei Tage ohne sie im Katzenkinderzimmer. Die Aufregung, die der Umzug und die vielen neuen Eindrücke mit sich bringen, reicht fürs Erste. So hat er Zeit, sich einzugewöhnen. Wenn er dann auf deine andere Katze trifft, hat er schon eure Duftmarke angenommen – und kommt deinem alten Hasen nicht komplett fremd vor. Das heißt also, dass sie sich eher akzeptieren. Clever!

Liebe geht durch den Magen… und Akzeptanz durch die Nase

Schon bei der Eingewöhnung deiner Katze vor und an ihrem ersten Tag bei dir hat sie sich an deinen Geruch gewöhnt, weißt du noch? Du hattest eine Decke aus ihrem neuen Zuhause zur vorherigen Pflegestelle deiner Zweitkatze gebracht.

Mit deiner schon eingewöhnten Katze klappt das genauso: Gib ihr was zu Schnuppern – von deiner neuen Katze. So lernt auch sie ihren Geruch schon mal kennen. Und wenn euer neuer Mitbewohner dann da ist, ist er für deine Katze kein ganz Fremder mehr.

Probier nach seinem Einzug ruhig mal, ihre beiden Gerüche zu mixen. Das klappt zum Beispiel, indem du deine Katzen immer abwechselnd streichelst.

Mein Tipp: Wenn deine Katze nicht gerade auf dem Siegertreppchen steht, wenns um den Umgang mit neuen Situationen geht, probiers mal mit Feliway.

Uns hat der Pheromon-Stecker schon einige Sommer begleitet, wenn Yumi ihr ganzes Revier vor den anderen Freigängern der Umgebung markieren wollte. Und mit ganzes Revier meine ich auch unser Zuhause. Ja, drinnen. In der Wohnung. In Kisten, an Schränken, auf Schuhen. Bis wir Feliway eingesteckt haben. Auch wenn man es meinen könnte – es ist kein perfekt gebrauter Zaubertrank à la Hermine Granger. Aber ich bin sehr dankbar dafür, dass es meine Katzen in Stresssituationen entspannen lässt.

Angebot
FELIWAY® Classic Start-Set | Entspannung für Katzen | Verdampfer für Steckdose & Flakon 48ml
  • Einzigartiges Produkt zur Entspannung von Katzen - von Tierärzten entwickelt und empfohlen
  • Reduziert Kratzen, Harnmarkieren und Verstecken wissenschaftlich belegt

WG-Tour für den neuen Mitbewohner

Nachdem das neugierige Näschen sich hoch- und runtergeschnüffelt hat, gehts nun ans Visuelle. Die erste WG-Besichtigung des Raumes der alteingesessenen Katze darf dein neuer Mitbewohner übrigens allein vornehmen – ohne andere Tiere (die bleiben bitte solange in einem anderen Raum)… und ohne dich! Schnapp dir ein Buch und tu: nichts! Sei bei deiner neuen Katze im Raum, aber lass ihr ihre Freiheiten. Wird ihr mulmig (und ich wette, das wird es – ist ja alles neu), flüchtet sie erstmal in ein Versteck. Und das ist gut so, denn so sieht sie, dass ihr rein gar nichts passiert.

Katzenvergesellschaftung oder: Das erste Hallo

…erlebt ihr langsam aber sicher. Heißt:

Bei der Zusammenführung dürfen deine beiden Lieblinge sich erstmal durch den Türspalt beschnuppern. Was sich auch gut macht: ein Trenngitter*. Das kannst du easy peasy in den Türrahmen klemmen. Jetzt können deine Katzen sich zum ersten Mal persönlich sehen und beschnuppern – ohne körperliche Auseinandersetzungen. Selbst wenn das schon gut klappt: Geh die Zusammenführung lieber gemächlich an als dass alles zu schnell geht und ihr euch das aufgebaute Vertrauen kaputtmacht.

Ist nach ein paar Nächten der Tag gekommen, an dem sie zum ersten Mal mit allem drum und dran hallo sagen dürfen, sollte dein alter Hase aber nicht so vor der Tür lauern, dass er das neue Gesicht gleich abfängt. Beim Kennenlernen spielst du auf jeden Fall BeobachterIn.

Was die beiden brauchen: Zeit und Raum. Und Raum meine ich wortwörtlich. Jede deiner Katzen soll – auch wenn es Zusammenführung heißt – die Chance auf einen eigenen Lieblingsraum haben. Mit allem drum und dran. Katzenklo, Kratzbaum, Schlafplatz, Spielzeug, Wassernapf und Futterplatz. So vermeidest du, dass deine alteingesessene Katze sich in ihrem Rückzugsort vom neuen Mitbewohner genervt oder sogar bedroht fühlt.

Neue Katze = positive Erlebnisse

Verknüpfe beides. Wie das? Mach dir deine alten Routinen zunutze oder führe neue ein. Zum Beispiel beim Füttern. Dabei stellst du beide Näpfe immer zur gleichen Essenszeit nebeneinander. Abstand: knappt ein Meter. Vergrößere ihn, sollte eine der Katzen zu schüchtern oder aggressiv reagieren. Nach ein paar Tagen ist ihnen der Geruch der jeweils anderen Katze vertraut und sie verbinden sie sogar mit einer ihrer Lieblingsaktivitäten: dem Essen. Easy.

Und noch was trägt zur positiven Konditionierung bei: wenn du Annäherungen in genau dem Moment belohnst, in dem sie passieren. Mit eindeutigem Lob, Streicheln und manchmal auch mit Leckerlis. So verknüpfen deine Katzen die erwünschten Situationen mit etwas Schönem. Wichtig dabei: Wir erzwingen keine Annäherung.

Apropos Futter. Wenn du Kitten und erwachsene Katze zusammenführst, brauchen sie natürlich unterschiedliches Futter: Aufzuchtmilch und später Juniorfutter für den Junior, und Adult(oder im höheren Alter Senior-)futter.

Gemeinsame Erkundungstouren schweißen zusammen. Wie stellst du das am besten an? Immerhin kennt deine alteingesessene Katze schon jeden Zentimeter eurer Wohnung. Und genauso riecht auch jeder Gegenstand: nach ihr. Die beiden Neugierigen starten ganz neutral, indem du sie neues Spielzeug erkunden lässt – zusammen. Und ganz ehrlich, es muss nicht das 273-Euro-Laufrad sein. Für ein bisschen Spielspaß reicht oft schon eine Katzenangel* zum Jagen (Du bist ihr Animateur!) oder ein stinknormaler Karton.

Bye, bye, Eifersucht!

Das Gefühl kennt wohl jeder, der das ältere Geschwisterkind ist. Wieso sollte das bei deinem alten Hasen, pardon – deiner alten Katze, anders sein? Schließlich war sie jahrelang die Nummer eins und bämm! Wird ihr ein viel jüngeres, flauschigeres Exemplar vor die Nase gesetzt, dem Meowmy und Pawpy plötzlich viiiel Aufmerksamkeit schenken. Und das ihr Revier ganz selbstverständlich mitbenutzt! Quasi ein Eindringling. Gar nicht so einfach, das wegzustecken. Zeig ihr also vor allem in der Anfangszeit, dass du sie noch genauso lieb hast. Streicheln, kuscheln, reden, rumtollen (und ja, auch ein bisschen verwöhnen) sagen ihr: „Die neue Katze ist kein Ersatz für dich.“

Rangeln um Rangfolge oder Zickenkrieg?

Liebe auf den ersten Blick? Bei Katzen wohl eher nicht. Hast du vor, zwei oder mehrere Katzen aneinander zu gewöhnen, musst du wohl oder übel akzeptieren, wenn sie anfangs um Revier und Rangfolge streiten. Lass sie ruhig ein bisschen rangeln. Knurren, fauchen und ein paar Seitenhiebe zählen zu den ganz normalen Startschwierigkeiten. Führen wir uns nochmal vor Augen: Für deine Katze ist die Neue nicht nur Neuling, sondern auch Eindringling.

Wird es zu aggressiv, bist du zur Stelle und legst die Regeln fest. Wir wollen in das WG-Leben ja nicht gleich mit Verletzungen starten. Aber wieviel ist zu viel? Das kannst nur du an Hand der Charaktere deiner Katzen beurteilen. Als Faustregel würde ich sagen: wenn für dein Auge aus zwei Katzen eine wird, weil sie so übereinander herfallen. Und blutig dürfen die Rangeleien auf keinen Fall werden.

Aber selbst, wenn das Körperliche bei einer der Katzen verrückt spielt, sie beispielsweise ständig erstarrt, ist es zu viel.

Und was nun? Wir gehen einen Schritt zurück.

Back to Türspalt oder Trenngitter

Dann heißt es: Neuer Tag, neues Glück, und ihr versuchts einfach nochmal. Bewaffne dich mit Leckerlis und teste mal die Feliway-Pheromone. Auch Ablenkung durch Spielen kann den beiden helfen.

Du hast schon alles versucht, es ist viel Zeit ins Land gestrichen und heftige Streitereien bleiben nicht aus? Oder du merkst, dass beide Katzen durchweg unter Angst und Stress stehen? Du musst da nicht alleine durch. Hol dir unbedingt Unterstützung. Gemeinsam mit TierverhaltenstherapeutInnen oder -heilpraktikerInnen versucht ihr professionell, die beiden Streithähne anzunähern.

Wie lange dauert die Kennenlernphase?

In den ersten Tagen stehst du deinen Fellknäueln als BeobachterIn und VermittlerIn Zuhause bei. Wie wärs mit einem verlängerten Wochenende?

Und dann, wie lange dauert es, bis die zwei sich aneinander gewöhnt haben? Tage, Wochen, Monate? Stell dich darauf ein, dass nicht gleich die Harmonie-Bombe bei den beiden Neu-Geschwistern einschlägt. Um konkreter zu sein: Es werden eher Wochen. Und manchmal sogar Monate.

Konzentriere dich auf das Gute. Leicht gesagt, hmm? Vor allem, wenn du zwei Streithähne um dich hast… Fauchen hier, knurren da, doch mit der Zeit gewinnt die Neugierde. Behalte die beiden trotzdem schön im Auge und greife im Fall der Fälle ein.

Und noch was: Du machst einfach weiter mit der positiven Konditionierung, von der ich weiter oben schon sprach. Und die mündet erst recht in was Positivem, und zwar in regelmäßigen Fortschritten in euren ersten Wochen als Familie!

Beste Freunde entstehen ja auch nicht an einem Tag. Wenn ich an die Geheimzutaten denke, sind das meiner Meinung nach gemeinsame Erlebnisse und daraus resultierend irgendwann Vertrauen. Die Zeit wird sie zusammenschweißen, jeden Tag ein bisschen enger… Und aus Mitbewohnern werden Partners in crime.

Katzen mit anderen Haustieren zusammenführen

Wie Hund und Katz‘

Willst du deine Katze mit deinem Hund zusammenführen, leine ihn beim ersten Mal an. So kannst du reagieren, falls es brenzlich wird.

Wie Katz‘ und Maus

Alles, was potenziell als Beute für dein kleines Raubtier in Frage kommt, soll natürlich sowieso nie erreichbar für es sein. Also: Vögel fernhalten. Hamster fernhalten. Sonst hast du die längste Zeit ein Kleintier gehabt…

 

Hund mit Katze spielen

Jetzt wird’s ernst: Deine Zusammenführung

Kopf hoch, ich mach nur Spaß – so eine ernste Angelegenheit ist eine Zusammenführung von Katzen jetzt auch nicht. Ja, sie muss ernstgenommen und mit Vorbereitungen feinfühlig angegangen werden. Aber nein, sie ist kein Hexenwerk, bei dem du dich zitternd in die hinterste Wohnzimmerecke verkriechen müsstest.

Was soll ich noch groß sagen: Du wirst deine eigenen Erfahrungen machen. So ein Kennenlernen ist eben so individuell wie seine Hauptpersonen – deine Katzen.

Du hast dir jetzt ein paar Tipps für den Neuankömmling abgeholt und wie du aus seiner An- und ihrer Zusammenkunft so viel Druck wie möglich rausnimmst – auch für dich selbst. Immerhin gehörst du genauso in ihr Leben wie sie in deins. Also, auf eine tolle WG und noch tollere Freundschaften!

So hat Choco auf ihren neuen Adoptivbruder reagiert:

Verwirrt, das triffts ganz gut. Als Pawpy mit Riku ankam, war es für unsere kleine Familie tatsächlich mal eine Hürde, dass er und ich nicht dieselbe Sprache sprechen. Woher sollte ich denn wissen, dass das schwarze, verfressene Knäuel mein neuer Bruder ist?

Naja, nach einer Weile hat’s *klick* gemacht. Und für einen Jungen ist er eigentlich ganz ok. Jetzt nervt er nur noch, wenn er sich grad unbedingt die Krallen wetzen muss, während ich darüber auf meinem Kratzbaum liege. Da weise ich ihn aber gleich in die Schranken. Stänkern eure kleinen Brüder auch so rum?…

Choco